Aktuelles zu Angeboten, Vergaben, Verträgen und Abrechnungen von Planungsleistungen (INTENSIVKURS, Teil 1)

...mit update zur Zukunft der HOAI - Für Vordenker

 Mit topaktuellen Hinweisen vor der anstehenden Entscheidung des EuGH sowie Abwägungen und TIPPS zur Planungs- und Honorarpraxis für Vorausdenkende nach dem aktuellen Meinungsstand „Was kommt nach der HOAI 2013 – lebt Totgesagtes wirklich länger und wenn ja, wie wird es nach der HOAI weiter gehen?“ dazu aktuelle Praxisfälle der Obergerichte die bereits heute die Planungs- und Honorarwege von morgen aufzeigen können

HINTERGRUND

In Deutschland ist die HOAI nach wie vor geltendes Preisrecht. Das ist so, auch wenn der Generalanwalt am 28.02.2019 beim EuGH seine Schlussanträge vorgelegt und empfohlen hatte, die Auffassung der EU-Kommission zu bestätigen, wonach die Mindest- und Höchstpreise der HOAI nach Art.15(2g) Richtlinie 2006/123/EG grundsätzlich unzulässig seien. Ob und inwieweit die HOAI durch den EuGH als nicht erforderlich „verurteilt“ wird, da berufsethische Normen, Haftungsregelungen und Versicherungen, Informationspflichten, Pflichten zur Veröffentlichung von Tarifen oder die Festlegung von Richtpreisen durch den Staat ausreichen, wird sich erst im 2. Halbjahr 2019 zeigen, denn dann wird mit einem Urteil des EuGHs dazu gerechnet. Womöglich läutet das den Tod der HOAI 2013 ein und es beginn die Ära einer „Richtpreis-HOAI“ ein oder einer „Dienstanweisung Planerhonorare“, die dann nur für bestimmte Marktteilnehmer verbindlich sind, jedenfalls nicht für alle? Fest steht dazu derzeit noch nichts und wann das sein wird, weiß niemand. Üblich waren in wenig vergleichbaren Fällen schon 2 bis 3 Jahre, bis europäische Rechtsetzung derart in nationales Recht umgewandelt wurde.

Ohne ein Tiefenverständnis der einschlägigen Paragraphen der HOAI 2013 und deren sichere Auslegung für die Praxis lassen sich Ausschreibungen und Vergaben, aber auch Verträge und Abrechnungen für Leistungen von Planern, Architekten und Ingenieuren nicht rechtssicher erstellen. Mit dem neuen Bauvertragsrecht wurden im BGB 2018 ganz spezielle Regelungen für den Bauvertrag, den Verbraucherbauvertrag und/ aber auch für den Planervertrag eingeführt, die für Verträge seit dem 01.01.2018 verbindlich gelten.

Die Änderungen der §§ 650 p bis 650 t im BGB - Untertitel: „Architektenvertrag und Ingenieurvertrag“ - erfordern die Umgestaltung bisheriger Verträge und Verfahrensweisen beim Planungsablauf in Gänze. So müssen u. a. alle alten Formverträge zur HOAI ersetzt, detailliert oder zumindest massiv redigiert werden. Ansonsten drohen Rechtsfallen und massiver Honorarverlust.

Nicht nur innerhalb der Nebenpflichten der Planer sind Kenntnisse zu den „anderen“ neuen Teilen des BGB 2018 wie das Bauvertragsrechts mit speziellen Grundlagen für den Bauvertrag und für den Verbraucherbauvertrag unabdingbar. Nicht nur öffentliche Bauherren und deren Planer benötigen zudem auch Grundkenntnisse zu den Änderungen der kaufmännischen Mängelhaftung, von denen jede Ausschreibung und jeder Baustelle betroffen ist.

Die HOAI spielt dabei nicht nur bei der Schätzung des Auftragswertes für die Planerhonorare eine entscheidende Rolle, sondern auch bei der Bewertung der erforderlichen Leistungsbilder.  Wie ist der „Schwellenwert“ für verschiedene Planungsleistungen zu ermitteln in Summe oder als „Einzellose“? Wie kann eine Vergabe nach Einzel- oder Fachlosen erfolgen bzw. wie die Beschreibung von Teilleistungen und die Schätzung entsprechender Teilhonoraren? Wie lässt sich eine „Kosteneinschätzung“ in die Leistungsbilder der HOAI und in die (ebenfalls neue) DIN 276 einordnen? Wie verbindlich müssen  Kosten im Vorfeld der klassischen „HOAI – Planung“ gestaltet werden? Was beinhalten die „Planungsgrundlagen“ aus § 650p (2) BGB 2018 der „Zielfindungsphase“ bzw. die „LPH 0“? Sind die neuen „BGB - Leistungen“ für Planer Besondere Leistungen mit freien Honoraroptionen?

ZIELE

Das Seminar vermittelt verständliches Wissen an Hand von Praxisfällen eines langjährig erfahrenen HOAI - Sachverständigen mit täglicher Beratungs-, Planungs- und Baupraxis, der unabhängig von Berufs-, Kammer- oder Lobbyinteressen das aufzeigt, was wirklich geht.

Das Seminar will zudem zum Grundverständnis der Zusammenhänge zwischen der HOAI 2013 und den Regelungen des neuen Planungsvertragsrechts und der Auslobungen/ Vergaben von Planungsleistungen und deren Anwendung beitragen und Hinweise dazu geben, wie in der Praxis gearbeitet werden könnte und welche Konflikte und Haftungsfallen aufgebaut werden, wenn so weiter gemacht wird wie bisher.

Inhalte

Die neuen Grundlagen für Planungsleistungen und -verträge

  • § 650 p bis 650 t BGB 2018 Untertitel 2 – Architekten-/ Ingenieur- oder Planungsvertrag?
  • § 650 p (1), (2) – Neue „Vertragstypische Pflichten“ – Ein Paradigmenwechsel
  • § 650 q (1), (2) – „Anwendbare Vorschriften“ wie beim „Bauen“ als Verweise auf §§ 650 b, c, e bis h BGB 2018, u. a. neues Nachtragsmanagement u.a. mit Weisungsrecht des AG gegen dem Planer, 30 Tage Verhandlungszeit für NT, 80% Anspruch für NT, Was ist „zumutbar?“
  • § 650 r (1) bis (3) – NEUE Sonderkündigungsrecht(e) für AG innerhalb 2 KW und für Planer
  • § 650 s – Neuer Anspruch des Planers auf „Teilabnahme“ inmitten der „Objektüberwachung“
  • § 650 t – Neue erste Ansprechpartner bei Mängeln, erst dann „Gesamtschuldnerische Haftung“ des Planers mit dem bauausführenden Unternehmer möglich

Praxishinweise zum aktuellen Vergaberecht für Planungsleistungen (GWB, VgV, UVgO)

  • Die Unterschwellenvergabeordnung (UVgO) bedarf im Vorfeld der eigentlichen Planung besonderer Abwägungen nach „HOAI 2018“
  • Optionen und Besonderheiten bei der Abschätzung der Honorare und deren Anteile an Grundleistung und „Besondere Leistungen“ aller Leistungsbilder
  • Variabilität und individuelle Vereinbarkeit vieler Honorargrundlagen und -ansätze
  • Wann muss eine Planung zwingend europaweit ausgeschrieben werden?
  • Praktische Tipps und Beispiele zu Auslobungen im Unterschwellenbereich und zur Einholung von „Honorarangeboten“, die zielführend und prüffest sind.
Dauer

Das Seminar startet um 9.00 Uhr und endet 16.30 Uhr
Das Seminar beinhaltet 8 Lehreinheiten à 45 Minuten.

Dozenten

Dipl.-Ing. Ulf Greiner Mai (Honorarsachverständiger, Experte für die HOAI, Beratender Ingenieur)

Zertifikat

Zertifikat der Bauhaus Weiterbildungsakademie Weimar e.V.

Zielgruppe
  • Auftragnehmer von Planungsleistungen wie Planer, Ingenieur, Architekten und Generalplaner
  • Auftraggeber von Planungsleistungen wie öffentliche und private Bauherren und deren Vertreter; Führungskräfte und Mitarbeiter/-innen von Bau- und Planungsämter bei Städten, Kommunen und Landkreisen bzw. allen, die sich mit der Planung und Durchführung von Bauvorhaben befassen
  • Dienstleister im Zusammenhang mit Planungen wie Projektentwickler, Projektmanager, Projektsteuerer, Juristen und Rechtsanwälte, Claim-Manager, Entscheider aus den Bauhaupt- und Baunebengewerken
Weitere Informationen

Neues BGB 2018 und HOAI 2013 können gern mitgebracht werden.
Ggf. gern auch „interne“ Dienstanweisungen o. ä.  

Auf einen Blick

Start:
Termin wird zeitnah bekanntgegeben!
Kosten:

215 € | 195 € (Vollzahler | Ermäßigte)
Ermäßigte sind Absolventen der WBA, Angehörige der Bauhaus Universität Weimar; Mitarbeiter von öffentlichen Behörden und Verwaltungen; Mitglieder von Ingenieurkammern und Architektenkammern (Thüringen und Sachsen).

Dipl.-Kulturwiss. (Medien) Milena Deobald, M.A.

Telefon
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Fax
+49 (0) 3643 / 58 42 26

milena.deobald[at]uni-weimar.de