Planungsleistungen in der Praxis von HOAI 2013 und BGB 2018 ... nach EuGH vom 04.07.2019 (Fortgeschrittenenkurs)

...SCHLUSS mit LUSTIG: HOAI muss ab sofort ausdrücklich vereinbart werden!

Die Folgen des Urteils des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) vom 04.07.2019 zur HOAI sind für die Praxis von Planern und Auftraggebern kaum absehbar und sind nach herrschender Rechtsmeinung doch eindeutig: Honorare für Planungsleistungen dürfen ab sofort frei vereinbart werden. Unabhängig davon, ob es sich um Grundleistungen oder „Besondere Leistungen“ i. S. der bisherigen HOAI handelt, dürfen die Parteien im Planungsvertrag – rechtswirksam – ab sofort auch Pauschalhonorare, Stunden- oder andere Zeithonorare oder bspw. auch Erfolgs- oder Provisionshonorare frei vereinbaren. Es steht damit ab sofort auch frei, ob dazu auf Leistungsbilder der HOAI oder auf andere Leistungsbilder zurückgegriffen wird oder ob ganz eigene, objektspezifische Leistungsbeschreibungen für Planer in den jeweiligen Planungsvertrag aufgenommen werden. Wenn sich Planer und Bauherr dann noch auf eine Honorarpauschale einigen, ist der Planungsvertrag fertig und sollte möglichst schriftlich und möglichst konkret für die Vergütung parafiert werden - egal wann.

NEU: Mit topaktuellen Hinweisen vor der anstehenden Entscheidung des EuGH sowie Abwägungen und TIPPS zur Planungs- und Honorarpraxis für Vorausdenkende nach dem aktuellen Meinungsstand „Was kommt nach der HOAI 2013 – lebt Totgesagtes wirklich länger und wenn ja wie wird es nach der HOAI weiter gehen?“ dazu aktuelle Praxisfälle der Obergerichte die bereits heute die Planungs- und Honorarwege von morgen aufzeigen können

HINTERGRUND

In Deutschland ist die HOAI nach wie vor geltendes Preisrecht. Das ist so, auch wenn der Generalanwalt am 28.02.2019 beim EuGH seine Schlussanträge vorgelegt und empfohlen hatte, die Auffassung der EU-Kommission zu bestätigen, wonach die Mindest- und Höchstpreise der HOAI nach Art.15(2g) Richtlinie 2006/123/EG grundsätzlich unzulässig seien. Ob und inwieweit die HOAI durch den EuGH als nicht erforderlich beurteilt und damit verurteilt wird, da berufsethische Normen, Haftungsregelungen und Versicherungen, Informationspflichten, Pflichten zur Veröffentlichung von Tarifen oder die Festlegung von Richtpreisen durch den Staat ausreichen, wird sich bis Ende 2019 zeigen, denn dann wird mit einem Urteil des EuGHs dazu gerechnet. Womöglich läutet das den Tod der HOAI 2013 ein und es beginn die Ära einer „Richtpreis-HOAI“ ein oder einer „Dienstanweisung Planerhonorare“, die dann nur für bestimmte Marktteilnehmer verbindlich sind, jedenfalls nicht für alle? Fest steht dazu derzeit noch nichts und wann das sein wird, weiß niemand. Üblich waren in wenig vergleichbaren Fällen schon 2 bis 3 Jahre, bis europäische Rechtsetzung derart in nationales Recht umgewandelt wurde.

Das BGB 2018 soll das traditionelle „Planungsspiel“, das „Bauen“ und „die Baustelle“ revolutionieren, so jedenfalls der Wille eines Gesetzgebers, der der vermeintlichen Ungereimtheiten und daraus begründeter massenhafter Streitfälle beim Planen und Bauen überdrüssig war. Der Umgang von Auftraggeber (AG) und Planer (AN erfährt seit dem 01.01.2018 einen oberrechtlichen Paradigmenwechsel, der bisher noch kaum in der Praxis angekommen ist. Selten wurde geltendes Recht (noch) derart ignoriert wie das neue Bau- und Planungsvertragsrecht im BGB 2018.
Im Seminar werden die Teilnehmer zunächst mit den leistungsseitig relevanten Regelungen für die neuen „Architekten- und Ingenieurverträge“ vertraut gemacht und deren vergütungsseitig relevanten Bezüge zur „HOAI 2013“ werden an praktischen Fallkonstellationen alltagstauglich trainiert. Dabei geht es auch um die neuen Zielfindungsphase, um neue „Planungsgrundlagen“ und um die umstrittene „LPH 0“ sowie um die Kosteneinschätzung als neue Leistungspflicht.

Was kann verhandelt werden und was eher nicht? Besprochen werden dazu mögliche Formen und Inhalte von Planungsverträgen, das vertragliche und gesetzliche Honorarmanagement, sowie die neuen Regeln für die (Teil-) Abnahme von Planungsleistungen und den regelmäßigen Nach- und Wiederholungleistungen vieler Planungen und der Objektüberwachung. Was beinhaltet das neue Weisungsrecht des AG und welche Folgen hat dies in der Planerpraxis? Für AN und AG werden zwingende honorarrelevanten Vorgaben der HOAI und die neuen Leistungszwänge aus dem BGB 2018 aber auch deren Spielräume aufgezeigt und welche Chancen und Risiken sich für die Beteiligten ergeben können. Dem Individualvertrag Planungen aller Leistungsbilder kommt eine noch weitergehende Bedeutung zu, als sich dies bereits aus der HOAI 2013 ergab. Doch wie weit gehen individuelle Verhandlungsräume? Im Seminar wird erörtert, wie einzelne Vertragspassagen gestaltet werden können und wo mögliche Grenzen von Muster- und Standardverträgen liegen.

Das Seminar vermittelt verständliches Wissen an Hand von Praxisfällen eines langjährig erfahrenen HOAI - Sachverständigen mit täglicher Beratungs-, Planungs- und Baupraxis, der unabhängig von Berufs-, Kammer- oder Lobbyinteressen aufzeigt, was praktisch möglich ist.

Inhalte
  • Einleitung (BGB 2018 vs. HOAI 2013? Ausblick Quo vadis HOAI?)
  • Vertragsgestaltung mit BGB und HOAI – Vertragsgegenstand, Grundlagen zu Leistungen und Pflichten des AN und des AG, Leistungssicherungen, Durchführungsabreden, Sonstiges und Anlagen, Einzelverträge vs. Stufenverträge vs. Vollvertrag vs. „HOAI Vertrag“, „LPH 0“ = Zielfindungsphase (Inhalte/ Leistung/ Vergütung), Soll und IST von Planungsleistungen, Bewertung von Teilleistungen (Ansatz von „Splittabellen“), Nebenkostenmodelle, Problemfeld Bonus/ Malus, alte und neue Regelungen zu Honorarnachträgen/ Besonderen und zusätzlichen Leistungen
  • Vertragsinhalte – Intensivcheck NEU/ ALT – Anwendungsbereich HOAI, Bewertung Mindest- und Höchstsätze nach HOAI einschl. deren Unter- bzw. Überschreitung, „verhandelbare HOAI“, neue Nachweispraxis für die „Mindestsatzunterschreitung“, Stufen- und Optionsverträge, Generalplanerverträge, Verträge zur Projektsteuerung/ Bauprojektmanagement, „GÜ-Verträge“
  • Honorarmanagement – Voraussetzungen eines kostenpflichtigen Honorarnachtrags, kostenfreie Überarbeitung der Planung als Mangelbeseitigung, Überarbeitung der Planung bei Änderungen/ Ergänzungen des Leistungsumfangs, Änderung der Leistungsziele, Entfallene/ nicht erbringbare Planungsleistungen (mit/ ohne Kündigung)
  • Vertragsende/ Abnahme Teilabnahme und Abnahme der Planungsleistungen nach neuem BGB 2018, Fälligkeit von Zahlungen, Abnahmeverweigerung – was tun?, Honorarabrechnungen (Abschlags- und Honorarschlussrechnungen)
  • Praxisfälle und Spezialfragen zu verschiedenen Leistungsbildern – aktueller Stand und Geltungsbereich der Leistungsbilder in HOAI 2013, Aktuelles zu Grundlagen der HOAI wie „Objektbegriff“, „Anrechenbare Kosten“ in Objekt und Fachplanungen, bspw. „Anlagen“ in der Technischen Ausrüstung, Bewertung von Umbauten und Modernisierungen, die planerisch mitzuverarbeitende Bausubstanz (MABS), der Umbauzuschlag
Dauer

Das Seminar startet um 9.00 Uhr und endet 16.30 Uhr
Das Seminar beinhaltet 8 Lehreinheiten à 45 Minuten.

Dozenten

Dipl.-Ing. Ulf Greiner Mai (Honorarsachverständiger, Experte für die HOAI, Beratender Ingenieur)

Mit der Entscheidung des EuGH werden die Seminarinhalte und -ziele des Referenten bestätigt, die dieser seit vielen Jahren lehrt und die sich so zusammenfassen lassen: „Macht gute Aufgabenstellungen, verhandelt gute Verträge und verlasst euch nicht auf die HOAI.“ Profitieren Sie von den Erfahrungen eines seit über 25 Jahren praxiserfahrenen Honorarsachverständigen, der mitten im Leben von Ausschreibung, Planung und Bau steht.

Zertifikat

Teilnahmebestätigung der Bauhaus Weiterbildungsakademie Weimar e.V.

Zugangsvoraussetzungen

- Auftragnehmer von Planungsleistungen wie Planer, Ingenieure, Architekten und Generalplaner
- Auftraggeber von Planungsleistungen wie öffentliche und private Bauherren und deren Vertreter; Führungskräfte und Mitarbeiter/-innen von Bau- und Planungsämter bei Städten, Kommunen und Landkreisen bzw. allen, die sich mit der Planung und Durchführung von Bauvorhaben befassen
- Dienstleister im Zusammenhang mit Planungen wie Projektentwickler, Projektmanager, Projektsteuerer, Juristen und Rechtsanwälte, Claim-Manager, Entscheider aus den Bauhaupt- und Baunebengewerken

Auf einen Blick

Start:
2019-08-28
Dauer:

[1-tägig]

Kosten:
215 € | 195 € (Vollzahler | Ermäßigte)
Ermäßigte sind Absolventen der WBA, Angehörige der Bauhaus Universität Weimar; Mitarbeiter von öffentlichen Behörden und Verwaltungen; Mitglieder von Ingenieurkammern und Architektenkammern (Thüringen und Sachsen).

Milena Deobald, M.A.

Telefon
+49 (0) 3643 / 58 42 21
Fax
+49 (0) 3643 / 58 42 26

milena.deobald[at]uni-weimar.de